Frauen und Frieden. Frauen und Krieg.

Schon die Idee, zum Internationalen Frauentag einen Beitrag zum Thema Frauen & Frieden zu verfassen, ist tückisch: Noch immer denken wir in den Gegensatzpaaren Mann-Krieg und Frau-Frieden. Den Männern wird Aggressivität unterstellt, den Frauen einseitig die Opferrolle zugewiesen. Ihnen wird der Mann genommen. Ihre Söhne werden geopfert. Sie werden um Haus und Hof gebracht. Frauen werden nicht zuletzt deshalb als Opfer gesehen, weil bekannt ist, dass Frauen selbst zum Ziel besonders perfider Kriegsführung werden können. Doch auch ihre aktive Unterstützung zur Versorgung kämpfender Gruppen mit Lebensmitteln und Munition scheint sich in unsere Vorstellung vom passiven Geschlecht einzufügen, in der der physisch aggressiv auftretende Mann das aktive Geschlecht ausmacht. 

Dabei treten Frauen auf ganz unterschiedliche Weise als Akteure auf: Frauen in der Bundeswehr am Hindukusch, irakische Frauen als Selbstmordattentäterinnen und Frauen im Amt der  Verteidigungsministerin. Die Befreiung afghanischer Frauen wird selbst als unhinterfragter Grund für einen nicht zu gewinnenden Krieg angeführt.

Die neuere Gewaltforschung zeigt, dass die Sozialisation von Jungen und Mädchen einen erheblichen Einfluss auf ihre Gewaltbereitschaft hat. Entscheidend scheint dabei unsere Erwartungshaltung und Reaktion auf gewalttätiges Verhalten von Mädchen und Jungen zu sein. Während es bei Jungen als akzeptabel erscheint und aggressive Durchsetzungskraft sogar positiv bewertet wird, sehen Mädchen sich der Erwartung gegenüber, ein friedliches Auftreten an den Tag zu legen. Ihre Bereitschaft zu physischer Gewaltausübung wird eher noch sanktioniert. Fördern wir mit unseren Erwartungen dadurch nicht eine einseitige geschlechtsspezifische Rollenverteilung?

Das Stereotyp des aggressiven kriegerischen Mannes und die Vorstellung, dass ausschließlich Männer eine Tendenz zur Gewalt hegen, überdeckt geschickt, welche aktive Rolle Frauen in gewaltsamen Konflikten spielen können. Solange wir Frauen nicht auch als Kriegsakteure wahrnehmen, verengen wir zugleich unser eigenes Blickfeld. Immerhin wird der Anteil von Kämpferinnen in kriegerischen Auseinandersetzungen auf dem afrikanischen Kontinent beispielsweise auf bis zu 30 Prozent geschätzt. Wie sollen Konflikte erklärt und Konzepte der Befriedung erarbeitet werden, wenn die Akteursrolle der Frau völlig unterbelichtet bleibt. Wir müssen uns darüber klar sein, dass diese Beschränkung des eigenen Sichtfeldes letztendlich patriarchalische Werte und Vorstellungen unterstützt und reproduziert.

Doch selbst in der Friedensforschung und ihren Arbeitsfeldern blieb die Perspektiveauf die Geschlechterrollen (gender) bisher weitgehend unbeachtet. Auch in den vielfältigen Ansätzen der zivilen Konfliktbearbeitung drängen sich oftmals Männerwelten in den Vordergrund: Entwaffnung von Männern, Einrichtung von zivilgesellschaftlichen und politischen Strukturen nach dem Muster männlicher Dominanz, Arbeitsplätze für Männer, insbesondere für Kombattanten. In dem maßgeblich auch von Frauen besetzten Arbeits- und Forschungsfeld in der Bundesrepublik, irritiert es, dass die Genderperspektive bisher keine reflektierte und erkennbare Rolle spielt.

Begreifen wir Frauen zunehmend als Akteure im Krieg, wird die friedensstiftende Dimension ihrer gleichberechtigten Teilhabe, Gender-Mainstreaming genannt, deutlich. Denn erst wenn wir Frauen auch als Kriegsakteure verstehen, werden wir darüber nachdenken, sie aktiv am Prozess der Befriedung zu beteiligen. Tatsächlich partizipierten Frauen jedoch bisher nur sehr wenig an Friedensverhandlungen.

Die Partei DIE LINKE weist den Krieg als Mittel der Politik von sich und setzt in Afghanistan auf den schnellstmöglichen Abzug deutscher Truppen. Um den Krieg als gesellschaftliches Phänomen zu überwinden, sollten wir jedoch auch unsere eigene Akzeptanz gegenüber Gewalt ausübenden Jungen hinterfragen und sie nicht länger als Akt von männlicher Stärke und Durchsetzungskraft begrüßen.

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Therese Wenzel studiert
Friedens- und Konfliktforschung an der OvG-Universität in Magdeburg, seit 2009 ist sie Landessprecherin der linksjugend [’solid].